Schreibwerkstatt packt alle Texte in XML-Datei
Für kreative Schreiber gibt es die Mac-Software Scrivener, die eine Art Werkstatt für alle Texte und andere Informationen eines Schreibprojekts darstellt. Alle Ressourcen werden in eine einzige Datei gepackt. Mit der Endung .scriv wirkt diese etwas exotisch. Das Paket lässt sich im Finder von MacOS aber einfach öffnen. Der Inhalt: Texte im RTFD-Format (Rich Text Format Directory), PDF-Dateien, jpg-Dokumente, Audio-Files oder andere Daten sowie ein paar XML-Dateien. Am interessantesten ist BinderStrings.xml.

Diese XML-Datei beruht auf der Apple-DTD PropertyList (plist) und wird von Scrivener dazu verwendet, den “Binder” zu strukturieren. Dort finden sich alle Dateien des Schreibprojekts. Weil BinderStrings.xml auch alle Texte enthält sowie ihre “Synopsis” (Beschreibung) und andere Metadaten, können die entsprechenden Information sehr schnell im Arbeitsfenster des Programms angezeigt werden. So entfällt das umständliche Öffnen der Dateien, evtl. noch in unterschiedlichen Anwendungen. Eine weitere Datei im scriv-Paket, ui.xml, enthält Anweisungen für die individuelle Gestaltung der Arbeitsoberfläche. Einde dritte XML-Datei, ExportSettings.xml, enthält Daten zur Formatierung und beispielsweise zum Umgang mit Fußnoten, gedacht für den Export der fertigen Texte in eine Textverarbeitung oder zum Ausdruck.
Denn der Scrivener ist vieles, aber eben keine Textverarbeitung, die Texte vor ihrer Verbreitung in eine endgültige Form bringt. Stattdessen steht allein der Schreibvorgang im Zentrum – und der unkomplizierte Zugriff auf alle dabei benötigten Ressourcen. Um bei diesen den Überblick zu behalten, bietet die Software eine Strukturierung mit Schlüsselwörtern an. Eine gute Schnittstelle für die Mensch-Maschine-Kommunikation beim Schreiben ist auch eine Korktafel, die alle Dateien in Form von Karteikarten darstellt. Damit schließlich beim Schreiben nichts ablenkt, kann man den Desktop ab- oder ganz ausblenden und im Vollbildmodus arbeiten.
Für unterschiedliche Versionen eines Textes erstellt Scrivener “Snapshots”, die chronologisch angezeigt werden. Dabei kann man auch eine frühere Version wiederherstellen. Eine Zusammenarbeit zu zweit ist auch noch gut vorstellbar, wenn die scriv-Dateien hin- und hergeschickt werden – Änderungen können mit Anmerkungen hervorgehoben werden. Für die Zusammenarbeit mit mehreren Personen bietet es sich an, Scrivener zusammen mit Subversion zu nutzen.
Das Programm des Entwicklers Keith Blount gibt es bei Litterature and Latte in einer 30-Tage-Testversion. Die Vollversion kostet zur Zeit 28,79 Euro.
