Das Buch ist auf der Suche nach seiner Zukunft, nach sich selbst. Wegweiser hat jetzt Adam Hyde auf der re:publica in Berlin aufgezeigt. In seiner Session mit dem Titel “A Webpage is A Book” sagte der Gründer der Open-Source-Plattform Floss Manuals, das traditionelle Publishing-Modell der Buchproduktion sei überholt. In allen Bereichen gebe es dramatische Umwälzungen:
- Produktion: vom Einzelautor zum kollaborativen Schreiben
- Objekt: Vom gedruckten Buch zum E-Book
- Vermarktung: Vom Verkauf in Buchläden zum Online-Vertrieb und auf mobilen Geräten
- Kulturgut: Vom Buch im Regal zum lebenden und sich ständig weiter entwickelnden Buch
Als Beispiel stellte Hyde die Plattform booki.cc vor, erstellt mit der Open-Source-Software Booktype. Hier können mehrere Personen gemeinsam an Buchprojekten schreiben und diese dann in unterschiedlichen E-Book-Formaten veröffentlichen oder auch für den Druck vorbereiten. Als Beispiel für eine neue Form der kollaborativen Buchproduktion stellte Hyde das Projekt BookSprint vor, bei dem in 3 bis 5 Tagen gemeinsam ein Buch geschrieben wird – zumindest die erste Version eines Buchs, das laut Hyde künftig eher ein lebendiger, wachsender Prozess ist als ein fertig abgeschlossenes Artefakt. Als Beispiel nannte Hyde das Buch “Das Beta Prinzip. Coworking und die Zukunft der Arbeit”, in dem das betahaus in Berlin seine Grundsätze darstellt. “Der Prozess der neuen Buchproduktion in Online-Umgebungen wird nicht mehr von einem Verleger gemanaged, sondern offen und transparent von den Teilnehmern.”
Und wie kann man da noch mit Büchern Geld verdienen? Als Open-Source-Aktivist befürwortet Hyde natürlich freie Lizenzen. Diese erlauben die Wiederverwendung von Inhalten – “Bücher sind dann nicht länger statische Objekte, sondern werden erweitert, upgedated und verbessert.” Die Beteiligten können gleichwohl Geld damit verdienen, indem sie ein Buchprojekt mit Crowdfunding, etwa über eine Plattform wie kickstarter.com finanzieren.
Im Blog über die Social Book Production weist Adam Hyde auf Open-Source-Tools zur Buchproduktion hin. Dort kritisiert er die Apple-Software iBooks Author: “I just feel sorry for them because they are part of Apples lock in strategy and it has some very significant impacts on their content.” Bücher, so betont Hyde auf der re:publica, können nur dann lebendig sein, wenn sie auf offene Standards setzen – und ist damit ganz im Einklang mit der re:publica-Keynote von Eben Moglen: “We need free media or we lose freedom of thought, possibly forever.”
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