XML-Ecke

Struktur in den Content!

World Publishing Expo: Auf der Suche nach dem Liquid Newsroom

Eigentlich mag ich ja keine Messen. Dieses merkwürdige Verhältnis zwischen Standmenschen und Messebesuchern ist einer offenen Kommunikation eher abträglich. Aber an keinem anderen Ort kommen Anbieter von aktueller Redaktionstechnik so konzentriert zusammen wie auf der World Publishing Expo, die in diesem Jahr in Berlin stattfand. Neben einigen spezielleren Fragen wie dem Nachrichtenformat NewsML G2 und der Zukunft der Satellitentechnik bei der Übertragung von Agenturinhalten war ich vor allem neugierig auf Ansätze, die sich im weitesten Sinne mit dem Schlagwort “Liquid Newsroom” verbinden ließen:

Einen Liquid Newsroom hat Steffen Konrath als Nachrichtenportal eingerichtet, das aus etwa 130 frei zugänglichen Internet-Quellen gespeist wird. Auf der World Publishing Expo trat Konrath am Dienstag auf einem Panel mit der Frage auf: Is it time to rethink our newsrooms, yet again? Das habe ich leider verpasst, da ich nur am Montag auf der Messe war. Dem Trendbüro sagte Konrath: “Im Liquid Newsroom fließt ein Nachrichtenstrom genau zu einem bestimmten Thema zusammen. Der Begriff ‘liquid’ soll ausdrücken, dass der Nachrichtenraum sich parallel zu den Themen dynamisch anpassen muss. Alles im Fluss zu halten, besonders bei sich verschiebender Quellenlage und mit der Verifikation von Nachrichten, erzwingt einen anderen Umgang mit Aktualität und Aktualisierung.”

In einem allgemeineren Sinne lässt sich ein Liquid Newsroom auch verstehen als eine Infrastruktur für redaktionelle Workflows, die das Zusammenarbeiten von einem festen Ort befreit und ins Netz verlagert – analog zu anderen Liquid-Konzepten wie Liquid Feedback für die Gestaltung von demokratischen Entscheidungsprozessen. Strukturiert wird ein solcher Liquid Newsroom vom Newscycle als Prozess von der

  • Themenfindung mit anschließender Recherche und Schreiben über die
  • redaktionelle Bearbeitung bis hin zur
  • Veröffentlichung in unterschiedlichen Formaten und Kanälen.
Auf der World Publishing Expo war ein Newscycle auch mal ganz wörtlich verstanden zu sehen.

Newscycle

Die meisten Firmen auf der Messe bieten Lösungen für das letzte Drittel im Newscycle an. Da gibt es etwa die italienische Software-Firma d-share, die ihr neues CMS Kolumbus vorstellt, das den Content von News-Anbietern wie der Zeitung La Repubblica im XML- oder JSON-Format annimmt und mit Hilfe des Frameworks Spring in einfach zu gestaltende Templates einspielt – für die Ausgabe in einem Web-Portal sowie auf Tablet und Smartphone.

Näher am Liquid Newsroom dran ist die Redaktionslösung Content-X, die von der Hamburger ppi Media GmbH entwickelt wurde und die Datenbank DC-X einsetzt. Content-X ermöglicht eine enge Anbindung an Adobe Indesign und unterstützt damit sowohl die Produktion von Printprodukten auf der Basis von PDF als auch die Ausgabe in digitale Kanäle. In DC-X werden alle Inhalte wie Texte, Fotos, Videos, E-Mails oder Informationen aus RSS-Feeds als “Asset” gespeichert, zusammen mit ihren Metadaten wie den IPTC-Angaben bei Bildern. Alle Textinformationen schickt DC-X in eine “semantische Engine”, die mitgelieferte Metadaten um zusätzliche Stichwörter ergänzt. Im browserbasierten Story Editor können Texte erstellt und mit Fotos ergänzt werden. Integriert ist ein Workflow- und Aufgabenmanagement, so dass die Bearbeitung von Inhalten einzelnen Personen oder Gruppen zugewiesen werden kann. Diese können sich an jedem Ort der Welt befinden, an dem sie einen Internetzugang haben. Die Redaktion kann so vollständig in die Cloud verlegt werden. DC-X kann auch die Meldungen und Fotos von Nachrichtenagenturen aufnehmen, die Nutzer von Content-X können auch direkt in diesem System auch den Termin- und Themenplanungsservice dpa agenda nutzen.

Fürs Redaktionsmanagement in der Cloud bietet sich auch das Desk-Net an, das die gemeinsame Themenplanung ebenso unterstützt wie Aufgabenplanung und redaktionelle Dienstpläne. Termine und Aufgaben können in gängige Kalenderformate exportiert werden, so dass die Redaktionsmitglieder diese auf ihrem Smartphone verfügbar haben.

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Ada Lovelace Day – Jackie Sprott

(english translation further down)


“Women’s contributions often go unacknowledged, their innovations seldom mentioned, their faces rarely recognised.” So heißt es in der Beschreibung der Initiative zum Ada Lovelace Day am 24. März 2009. Mehr als 1.500 Menschen in aller Welt haben sich daher vorgenommen, zu diesem Tag einen Blog-Eintrag zu veröffentlichen und so ein Gegengewicht zu dieser Ignoranz zu setzen. Das Thema lautet: “a woman in technology whom I admire” – und die Beiträge werden hier gesammelt.

Jackie Sprott hatte vorher noch nichts von Ada Lovelace gehört, die von 1815 bis 1852 in London lebte und als erste Programmiererin gilt – sie schrieb Anweisungen für eine mechanische Rechenmaschine von Charles Babbage. Gut 150 Jahre später kümmert sich Jackie Sprott in Yorkshire um Dokumentationen, Tutorials und die Benutzeroberfläche von XML-Tools der britischen Software-Firma Liquid Technologies. Eine “Community Edition” des Liquid XML Studios ist kostenlos verfügbar.

“Zur IT bin ich eher zufällig gekommen”, erklärt die 39-Jährige. Nach einer Ausbildung für die öffentliche Verwaltung war ihre erste Stelle in der britischen Gesundheitsbehörde NHS. “In diesem Job hatte ich mit relationalen Datenbanken zu tun, und deswegen lernte ich Oracle/SQL Server”, sagt Jackie zu ihrem eher ungeplanten Einstieg in die IT-Welt. “XML ist eine großartige Technik für das Abrufen von Daten, und so kam ich wohl dazu, dass ich jetzt für ein XML-Unternehmen arbeite.” Zu ihren nächsten Projekten gehört die Entwicklung einer Benutzeroberfläche für ein XSLT-Werkzeug, also für eine Software, die Daten mit Hilfe von XSL-Vorlagen in ein anderes Format überträgt.

Für das Google-Enzyklopädie-Projekt knol hat Jackie mehrere Artikel über XML-Themen geschrieben, darunter ein dreiteiliges Tutorial über das XML-Schema.

Jackie leistet auf ihre eigene Weise ihren Beitrag dazu, überholte Rollenvorstellungen in der Computer- und Internet-Technik zu überwinden. “Frauen in der IT haben eher bessere Organisationsfähigkeiten”, sagt sie. “Sie planen mehr für die Zukunft, haben ausgezeichnete Management-Talente, beherrschen das Multitasking, machen gute Analysen und sie sind erfahren darin, Konzepte zu erklären. Sie haben mehr Geduld, und diese Liste lässt sich fortsetzen.”

follows english translation… Continue reading

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