XFN vernetzt Google Buzz in alle Richtungen
Vor sechs Jahren war XFN, das XHTML Friends Network, das erste Mikroformat, das die schlichte Struktur von HTML um ein bisschen Semantik bereichert hat: Mit dem Attribut “rel” (relationship) sollte die persönliche Beziehung eines Web-Anbieters zu einer verlinkten Site deutlich gemacht werden. Blogger organisieren so ihre Blogroll – in WordPress wird XFN von vornherein unterstützt. Auch Friendster, LinkedIn und das Google-Netzwerk Orkut verwenden XFN.
Mit Google Buzz erhält XFN jetzt neue Schubkraft. Dem neuen Angebot geht es offenbar weniger darum, sich als Alternative zu Twitter und Facebook in Stellung zu bringen. Vielmehr will Buzz die bestehenden Profile im sozialen Web zusammenführen, auf einer neuen Plattform aggregieren. XFN ist der Klebstoff fürs soziale Web:
Das Attribut rel=”friend” definiert eine freundschaftliche Beziehung zu der verlinkten Website.
Das Attribut rel=”me” definiert eine Identitätsbeziehung zu der verlinkten Website: Die gerade angezeigte Webseite und die verlinkte Webseite sind derselben Person zugehörig.
Um dem Browser mitzuteilen, was das Attribut bedeutet, wird im Header der Webseite eine Referenz zum XFN-Standard angegeben:
<head profile="http://gmpg.org/xfn/11"> |
Beim kommenden Standard HTML 5 wird das nicht mehr erforderlich sein – da sind die XFN-Attribute “friend” und “me” bereits integriert.
Mit rel=”me” können Twitter und Blogs im sozialen Netz an Google Buzz angekoppelt werden:
<a rel="me" href="http://twitter.com/pedromiramis/">meine Tweets</a> |
Dazu hat Google auf der Profilseite des einzelnen Nutzers die Möglichkeit vorgesehen, Internet-Adressen hinzuzufügen und als “eigene Seite” festzulegen. Standardmäßig sind bereits die persönlichen Accounts in anderen Google-Angeboten wie Picasa oder YouTube ausgewählt.
In der Gegenrichtung kann der Buzz-Stream als Atom-Feed in beliebige Webseiten eingebunden werden, die Adresse lautet
http://buzz.googleapis.com/feeds/_user_/public/posted |
(statt user ist der jeweilige Nutzername einzugeben)
Google hat bereits vor geraumer Zeit eine Software-Schnittstelle entwickelt, um Web-Anwendungen gezielt nach Freundschafts- und Identitätsbeziehungen suchen zu lassen, die Google Social Graph API. Der Google-Crawler erfasst die XFN-Angaben zu diesen Beziehungen und erstellt daraus einen “Sozialen Graphen”, einen Index von Beziehungen zwischen Personen. Neben XFN kommt auch FOAF (Friend of a Friend) zum Einsatz, das eine weitergehende Beschreibung von persönlichen Beziehungen zulässt. Genutzt wird die Social Graph API etwa von der Google-Plattform OpenSocial für die Entwicklung von Anwendungen für Soziale Netzwerke. Und bei Google Buzz werden die Ergebnisse, die der “soziale Crawler” aufgrund des Link-Attributs rel=”me” aufspürt, dazu verwendet, Postings aus anderen Quellen wie etwa Twitter in Buzz einzubinden.
Google hat angekündigt, die Buzz-API nach und nach zu erweitern und weitere Standards oder Protokolle anzubinden. Wie beim Wave-Projekt – um das es inzwischen ziemlich still geworden ist – soll Buzz von allen frei genutzt und den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Zum Start von Buzz ist die Verwaltung der persönlichen Kontakte noch nicht besonders gut gelöst – hier greift Buzz einfach auf die Kontaktdaten der Google Mail zu. In ersten Tagen wurden diese auch als “Follower” öffentlich gemacht – inzwischen aber ist Google nach einiger Kritik dabei, die Kontaktverwaltung nachzubessern und die Sichtbarkeit der persönlichen Kontakte einzuschränken.
