Noch vor wenigen Jahren wäre das eine kleine Revolution gewesen: Microsoft unterstützt in einer eigenen Software PHP, MySQL und eine Vielzahl von weiteren Open-Source-Projekten. Die jetzt in der Finalversion von Microsoft herausgebrachte WebMatrix ist das Eingeständnis des Software-Konzerns, dass das Web anderen Regeln folgt als denen der Windows-Welt. Allerdings findet das kaum noch Aufmerksamkeit.
Beim Web-Design konnte Microsoft nie an den Erfolg seiner Standard-Anwendungen fürs Office anknüpfen. Das 1995 erstmals herausgebrachte Microsoft FrontPage hatte nie den besten Ruf bei professionellen Web-Entwicklern, weil die Software zwar zu schnellen Ergebnissen führte, sich dabei aber kaum um die Standards des W3C kümmerte – obwohl Microsoft selbst Mitglied dieses Konsortiums für die Web-Standards ist. Ende 2006 wurde das mit Microsoft Expression Web besser – hier werden CSS und XML sinnvoll unterstützt. Bei Steuerelementen für Web-Anwendungen kam aber vor allem die Microsoft-Technik ASP.NET. Zum Einsatz, etwa um einen Kalender einzubauen. 2008 kam mit Expression Web 2.0 immerhin die Unterstützung für PHP hinzu. Die im Juni 2010 herausgebrachte Version 4 kostet etwa 90 Euro.

Kostenlos ist jetzt die WebMatrix, die beim Start die Installation von WordPress, Drupal, Joomla oder weiteren freien Content-Management-Systemen anbietet. Entscheidet man sich etwa für Joomla, wird im nächsten Schritt zunächst die Installation einer MySQL-Datenbank angeboten, wahlweise auf dem eigenen Rechner oder auf einem Server. Nach der Wahl eines Root-Passworts für die Datenbank zeigt das Programm eine präzise Übersicht an, welche Dateipakete für das ausgewählte System nun heruntergeladen werden – für das Kernpaket von Joomla ist da bereits die neue Version 1.6 ausgewählt.

Alternativ kann man auch mit einem leeren HTML-Dokument beginnen – oder mit anderen Formaten wie XML, PHP, CSS und natürlich auch mit dem Microsoft-Format ASPX. Der dann startende Editor eignet sich durchaus für das schnelle Erstellen einer XML-Datei. Die Schaltfläche „Ausführen“ zeigt die erstellte Datei in einem der installierten Browser an.

Bei den Eigenschaften einer Website bietet die WebMatrix zwar die Integration des .NET-Frameworks von Microsoft an – man kann hier aber auch „keine“ wählen und stattdessen die PHP-Unterstützung anklicken. Um eine Datenbank hinzufügen, wird in diesem Modus – anders als bei der „Web Gallery“ mit den Open-Source-Systemen standardmäßig die Microsoft-Lösung SQL Server Compact eingerichtet, die bei der Installation der WebMatrix-Software gleich mit dabei ist – zusammen mit dem Webserver IIS Developer Express und dem Web-Framework ASP.NET.
Die Idee der WebMatrix ist es, Einsteigern eine einheitliche Oberfläche für das Einrichten, Testen und Bereitstellen einer Website zu bieten. Bei Projekten, die ganz auf Open-Source-Angeboten aufbauen, bieten sich da sicherlich auch andere Möglichkeiten wie LAMP oder XAMP an. Die WebMatrix ist aber interessant genug – als übersichtliche Entwicklungsumgebung für Web-Projekte wie als Lern-Plattform für Webtechniken von Microsoft.
